Könnt ihr euch vorstellen was sich innerhalb vier Jahren in einer Wohnung alles ansammeln kann? Ganz schön viel, sag ich euch. Obwohl mein persönliches Zimmer recht klein ist, passt viel rein und mit der Zeit hat sich so einiges an Kruscht angestaut. "Man könnte ja alles nochmal gebrauchen oder irgendwann könnte es bestimmt nützlich sein." Kennt ihr diese Gedanken?
Da nun meine letzten Wochen hier angebrochen sind, bin ich am Ausräumen und Sortieren. Ich muss entscheiden, was mit nach Deutschland soll, was hier bleibt und was man dann damit macht. Viel Gepäck kann ich nicht mit nach Deutschland nehmen, somit bleiben die meisten Dinge im Land. Die großen, neueren und nützlichen Dinge - wie Kühlschrank, Staubsauger, Backofen - haben gleich Abnehmer gefunden, aber wer mag schon gebrauchten Kleinkruscht wie Stifte, Hefte, Taschen usw.?
Es ist für mich ein Wunder zu sehen, dass die ärmeren Leute hier gerne alles nehmen. Beispielweise fuhren Dorothee und ich vergangene Woche in den Westen der Provinz in eine Bergstadt, in der GT hörbehinderte Kinder unterstützt. Ich hatte eine Tasche voller Kruscht für die Kinder und Eltern mitgenommen: Haargummis, Kuscheltiere, Nackenrolle, Halstücher usw. Wir legten alles auf zwei Tischen aus und dann durfte sich jeder nehmen was er wollte. In Nullkommanichts war der Tisch leer und all mein Kruscht hat neue, glückliche Besitzer gefunden. Als wir abends ein Mädchen und ihre Mutter zu Hause besuchten, sah ich meine Aldi-Nackenrolle bei ihnen liegen. Das freute mich!
Am Wochenende brachte ich einiges an Kleidung und Schuhen in unsere Tiefgarage. Ja, ihr habt richtig gelesen: Tiefgarage. Dort leben die Angestellten von unserem Wohnkomplex - Hausmeister, Torwächter, Putzleute. Drei Torwächter traf ich im dunklen Untergeschoß an, die mir dankbar alles abnahmen. Besonders einer der Männer freute sich riesig über meine kanadischen Winterstiefel. "Sie sind aber etwas kaputt", sagte ich ihm. "Das macht doch nichts. Die kann ich gut gebrauchen", antwortete er.
Am Abend brachte ich noch einiges an Kartons und anderen Müll nach unten in den Hof zu den Mülltonnen. Auch kaputte oder sehr abgetragene Kleidungsstücke hatte ich dabei. Der Müllmann kam mir sofort entgegen und nahm mir allen Müll ab. "Wenn du das nächste Mal so viel Müll hast, dann sag Bescheid und ich hole ihn in deiner Wohnung ab", bot er mir an. Danach machte er sich gleich daran meine Kartons und Tüten durchzuschauen und sich Dinge rauszunehmen.
Es freut mich und macht mich nachdenklich zugleich, zu sehen wie gerne mein Kleinkruscht von anderen angenommen und gebraucht wird. Es berührt mich zu sehen wie andere gerne gebrauchte Dinge annehmen, weil sie selbst wenig haben.
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