Vergangene Woche haben wir meinen kleinen Freund Jingyuan im Sprachheilzentrum verabschiedet. Erinnert ist euch noch an Jingyuan? Er ist der Junge mit dem angeborenen krummen Rücken. Ich hatte euch schon öfters von ihm erzählt.
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| Jingyuan mit Oma und Vater |
Jingyuan ist nun neun Jahre alt und es wurde höchste Zeit, dass er sein Training am Sprachheilzentrum beendet und in eine normale Schule geht. Im Sprachheilzentrum werden die Kinder mit hören und sprechen so fit gemacht, dass sie - wenns optimal läuft - mit ihren Hörgeräten ganz normal in eine erste Klasse eingeschult werden und wie jedes andere Kind am Schulalltag teilnehmen können.
Jingyuan`s Sprach- und Hörvermögen ist leider sehr gering. Doch er ist ein pfiffiges Kerlchen, kann viel schreiben und wunderbar zeichnen, malen und basteln. Seine Eltern erhofften sich die Einschulung an der Grundschule im Wohnbezirk, doch alles kam anders...
...Als ich gestern - wie jeden Mittwoch - das Sprachheilzentrum besuchte, war ich ganz verwundert Jingyuan dort nochmals anzutreffen. Sein Vater kam und berichtete, dass die Einschulung nicht geklappt hatte. Die Grundschule im Wohnbezirk, hatte den Jungen am ersten Schultag abgelehnt. Die Familie war sehr niedergeschlagen, und so hielten wir einen "Krisenrat", und entschieden uns, die Schule persönlich zu besuchen. So gingen meine Kollegin Hong Yu, Jiangyuan, sein Vater und ich gestern Nachmittag zur Grundschule und redeten nochmals mit dem Rektor. Wir erhofften uns, dass mein "Ausländerbonus" (manchmal macht hier ein "weißes Gesicht" unmögliches möglich) die Schule vielleicht in Verlegenheit bringen würde, und sie den Jungen doch aufnehmen würden. Jingyuan`s Vater hatte uns zuvor schon berichtet mit welch bösen Worten der Rektor ihn und seinen behinderten Sohn beschimpft hatte. Zu Hong Yu und mir war der Rektor natürlich sehr höfflich (hier muss man ja immer sein "Gesicht wahren") und verpackte die unschöne Wahrheit in schöne Worte. Die Schule will Jingyuan nicht, weil er behindert ist. Die Lehrer sind nicht bereit ein behindertes Kind zu unterrichten, die anderen Eltern haben Angst, dass die Behinderung auf ihr Kind "abfärbt". Echt ein Quatsch, ich hatte mir sehr aufgeregt!
Der Rektor lenkte nicht ein, so zogen wir ernüchtert wieder von dannen. Nun war Plan B gefragt. Hong Yu lies ihre Kontakte mit der Taubstummenschule spielen und wir konnten Jingyuan noch einen Schulplatz in der zweiten Klasse dort sichern, obwohl diese schon überfüllt war (eine erste Klasse kam dieses Schuljahr wohl nicht zustande). Wenn alles klappt, hat Jingyuan heute seinen ersten Schultag an der Taubstummenschule. Wir hoffen, dass er sich an die neue Schule gut gewöhnen kann und schnell die Zeichensprache lernt, die die Lehrer dort benutzen (im Sprachheilzentrum lernen die Kinder nur sprechen und keine Zeichensprache).

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