Donnerstag, 6. September 2012

Erste Reise


Am Bahnhof

Gestern Abend kam ich erschöpft, aber zufrieden von meiner ersten "Geschäftsreise" zurück. Dorothee und ich besuchten zwei Sprachheilzentren im Süden der Provinz. Mit dem Schnellzug legten wir in nur anderthalb Stunden 350 km zurück. Verrückt, diese moderne Technik. Noch vor 100 Jahren waren die deutschen Mitarbeiter hier mit Boot oder Lastentier unterwegs und hätten für die gleiche Strecke mehr als 3 Tage gebraucht.
 
Am Vormittag besuchten wir "Dorothee`s Schule" und am Nachmittag dann "meine Schule". An der ersten Schule stellten sich Dorothee zwei neue Familien vor. Sie kommen beide vom Land und leben in sehr einfachen Verhältnissen.
Dorothee im Etlerngespräch
An der zweiten Schule durfte ich sechs aufgeweckte, goldige, hörbehinderte Kinder kennenlernen, die ich in Zukunft regelmäßig besuchen werde, und dann ihre Pateneltern in Deutschland (die Leute, die ihnen hier den Schulbesuch ermöglichen) über sie auf dem Laufenden halten.
"Meine" sechs Kinder gehen in ein ganz kleines Sprachheilzentrum. Es besteht nur aus einer Klasse und befindet sich in der Wohnung der Schulleiterin, die gleichzeitig die einzigste Lehrerin ist. Es ist eine 4-Zimmer-Wohnung, in die die Schulkinder und die Schulleiterin mit Familie gemeinsam reinpassen und dort 24 Stunden gemeinsam wohnen. Nur an der Ferien gehen die Kinder nach Hause. Die Schulleiterin und ihr Mann sind zwei sehr herzliche Menschen. Ihr ältester Sohn ist selbst hörbehindert, so kamen beide dazu eine Schule für höbehinderte Kinder zu gründen.
Die Kinder haben sich sehr gefreut über unseren Besuch. Vor und nach dem Unterricht haben sie kräftig herumgetobt. Als ich anfing ein Kind an den Armen zu schwingen, wollten plötzlich alle geschwungen werden. So hatte ich abends ausgeleierte Arme und einen schmerzenden Rücken. Aber viel Spaß hatten wir zusammen. Im Unterricht mussten sich die sechs dann aber kräftig konzentrieren und zeigen was sie schon alles gelernt haben. Die Schulleiterin nahm gestern verschiedene Obstsorten mit den Kindern durch, die alle benannt und gezählt werden mussten.
Gruppenbild mit "meinen" Kindern
Zum Abschluss gingen wir alle noch gemeinsam essen. Das war für die Kinder etwas ganz besonderes, denn so was gibt es ja schließlich nicht alle Tage. Mit Fleisch, Gemüse und Reis schlugen wir uns die Bäuche voll. Vorallem die verhutzelte Ente (wie auf dem Foto meines Bilder-Vortrags; erinnert ihr euch?) schmeckte allen wunderbar. Meinen Anteil der Ente verteilte ich heimlich an meine kleinen Sitznachbarinnen, die sie dankbar annahmen. Mir war die gute Ente doch etwas zu verhutzelt.
 
So habe ich viel erlebt an diesem Tag. Den tiefsten Eindruck hat wiedermal die enorm große Spanne zwischen arm und reich hinterlassen. Da fahren wir in diesem Land mit Hightechc-Zügen, und ein paar Kilometer weiter wissen die Menschen nicht wie sie ihre Familie ernähren sollen.
 
Übernächste Woche wird es nun auf die zweite Reise für mich gehen, diesmal in den Westen und das drei Tage am Stück.

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