Sonntag, 29. November 2009

Ein Erlebnis der anderen Art

Schon in Vancouver vor zwei Jahren hatte ich auf den Straßen sehr viel Armut gesehen, und Menschen, die man sich in Deutschland nur schwer vorstellen kann. So überraschte es mich nicht in Toronto ebenfalls obdachlose Menschen anzutreffen. Allerdings war für mich der Zustand und Anblick vieler Personen überwältigend. Ich kann es euch kaum beschreiben wie die Menschen aussehen und wie sie leben. Abends, wenn in China Town die Läden schließen, sind viele Obdachlose auf der Straße. Auch Sonntag mittags beim Bummeln, kann man sie auf der Straße liegen sehen. Vielleicht vollgetrunken, oder andersweitig berauscht, ohne Decke o.ä. mit dem Gesicht auf der nackten Straße schlafend.
Meine Gmd liegt mitten in einem sehr heruntergekommenen Straßenzug. Ich werde regelmäßig auf dem Weg dorthin angebettelt. Es ist gar nicht so leicht damit umzugehen. Klar bekomme ich hier nur ein Taschengeld, aber immerhin habe ich wesentlich mehr als die bittende Person. So versuche ich so gut wie möglich zu geben, vielleicht ein paar Worte auszutauschen und eine Einladung für Samstag abends weiterzugeben.
Samstag abends findet in meiner Gmd eine "Community Night" statt. Es darf jeder kommen, der Hunger hat und Hilfe braucht. Ab halb sechs gibt es warmes Essen umsonst. Daneben gibt es eine Kleider- und Lebensmittelausgabe. Am Ende des Abends gibt es gemeinsam Musik und ein paar gute Gedanken.
Heute Abend war ich das erste Mal bei der Community Night dabei. Es war echt krass zu sehen, was für Menschen kamen. Viele sehen sehr schlimm aus. Vermutlich haben sie wenig Möglichkeit zur Hygiene. Andere sehen etwas ordentlicher aus und sind z.B. neu in Kanada. Heute war eine chinesische Frau da, die kein einziges Wort Englisch sprach. So konnte ich meine drei Sätze chinesisch anwenden (hallo, wie gehts dir. ich heiße Sarah). Sie hat sich im Damenankleidezimmer komplett mit neuen Kleidern eingedeckt. Ein paar andere Gäste standen ein wenig neben sich, vermutlich Alkohol oder Drogen oder ein Dauerzustand. Eine Frau schwankte so stark, dass wir sie zu zweit stützen mußten.
Ich konnte heute Abend bei Ruth im Ankleidezimmer der Frauen mithelfen. Das hat mir echt Freude gemacht. Wir sortierten Kleiderspenden und halfen den Damen beim Aussuchen und Anprobieren.
Es war ein richtig guter Abend für mich! Ich bin tief ergriffen von dem Elend unserer Gäste, aber gleichzeitig sehr glücklich um die Hilfe, die ihnen jeden Samstag Abend angeboten wird. Ich werde von nun an wohl öfters mithelfen.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Sarah,

unser Jubu hat letztens auch in Karlsruhe Oberdachlose besucht. Wir haben eine interessante Begegnung auf der Kaiserstraße gehabt. Als "Otto-Normal-Bürger" kann man deren "Life-Style" kaum nachvollziehen.

Da wurde mir noch mal ganz neu bewusst, wie "gut" ich es habe. Man muss eben alles in Relation sehen...

Es grüßt dich sehr lieb, die Dani
Vermiss dich!!!!

Sarah hat gesagt…

Ich finds voll gut, dass ihr das gemacht habt. Super Idee!
Ja, da lernt man neu schätzen was man alles hat und in welchem Luxus man lebt.
Ich grüß dich lieb zurück und freu mich dich im Mai wieder zu sehen!!!